Anhörungsbogen erhalten: Ausfüllen, schweigen oder direkt zum Anwalt?
Blitzer-Verjährung 6 Monate
Rechte & Pflichten, September 2026
Das Wichtigste in Kürze
Mit dem Anhörungsbogen informiert Sie die Bußgeldstelle über einen Verkehrsverstoß, bevor der Bußgeldbescheid ergeht. Pflicht sind nur die Angaben zur Person (§ 111 OWiG) - zum Vorwurf selbst dürfen Sie schweigen (§ 55 OWiG). Und seit dem 1. Juli 2026 gilt: Schon die Anordnung des Bogens unterbricht die neue 6-Monats-Verjährung - erkennbar ist das nur in der Bußgeldakte.
Anhörung im Bußgeldverfahren erhalten?
Sie haben einen Anhörungsbogen wegen eines Tempo-, Abstands- oder Rotlichtverstoßes erhalten? Wir prüfen Ihren Fall, analysieren Messung und Verjährungslage und zeigen Ihnen, welche Chancen ein Einspruch hat.
Zum Bußgeld-CheckWas ist die Anhörung im Bußgeldverfahren?
Die Anhörung ist ein amtliches Schreiben der Bußgeldstelle, mit dem Ihnen ein Verkehrsverstoß zur Last gelegt wird - meist nach einer Messung durch einen Blitzer. Ob eine Geschwindigkeitsüberschreitung, ein Rotlichtverstoß, Handy am Steuer oder das Missachten des Sicherheitsabstands: Der Bogen leitet das Verfahren formell ein und gibt Ihnen nach § 55 OWiG die Gelegenheit, sich zu äußern - bevor ein Bußgeldbescheid ergeht.
Sofort-Check: Was jetzt zu tun ist
- 1. Tatdatum notieren: Wie lange liegt der Verstoß zurück? Seit 1.7.2026 gilt die 6-Monats-Verjährung.
- 2. Personalien prüfen: Nur Name, Anschrift und Geburtsdaten sind Pflichtangaben - sonst nichts.
- 3. Nichts zur Sache zugeben: Zum Vorwurf dürfen Sie schweigen. Ggf. später das Blitzerfoto anfechten.
- 4. Folgen kalkulieren: Drohen Punkte oder Fahrverbot? Der Bußgeldrechner und der Punkteverfall-Rechner geben die Prognose.
Wie hart die Sanktion ausfällt, hängt vom Ort und Ausmaß des Verstoßes ab. Innerorts greifen die Regelsätze besonders früh: Häufige Vorwürfe betreffen 18 km/h, 20 km/h oder 22 km/h Überschreitung - ab 31 km/h innerorts droht das Regelfahrverbot. Außerorts führen etwa 21 km/h zum ersten Punkt, massive Überschreitungen wie 41 km/h fast immer zum Fahrverbot. Wiederholungstäter sollten die 2x-26-km/h-Regel kennen; für LKW, Busse und Wohnmobile mit Anhänger gelten eigene, strengere Regelsätze.
Neu seit 1. Juli 2026: Der Anhörungsbogen und die 6-Monats-Verjährung
Zum 1. Juli 2026 hat der Gesetzgeber § 26 Abs. 3 StVG neu gefasst: Die Verfolgungsverjährung für Verkehrsordnungswidrigkeiten beträgt seither einheitlich sechs Monate statt zuvor drei. Die verbreitete Faustregel „Nach drei Monaten ohne Post ist alles vorbei“ gilt damit nicht mehr. Für den Anhörungsbogen ist dabei eine Besonderheit entscheidend, die kaum jemand kennt:
Die Anordnungs-Falle: Das entscheidende Datum steht nicht im Brief
Die Verjährung wird nach § 33 OWiG bereits durch die behördeninterne Anordnung unterbrochen, den Anhörungsbogen zu versenden - nicht erst durch den Zugang bei Ihnen. Mit der Unterbrechung beginnt die 6-Monats-Frist von Neuem. Das Anordnungsdatum steht jedoch nirgends auf dem Bogen, sondern ausschließlich in der Bußgeldakte. Ob Ihr Verfahren verjährt ist, können Sie dem Schreiben also nicht ansehen - das zeigt erst die Akteneinsicht, die nur ein Anwalt vollständig erhält.
Wichtig für Altfälle: War eine Tat am 1. Juli 2026 nach altem Recht bereits verjährt, bleibt sie verjährt. Lief die alte Frist dagegen noch, greift nach überwiegender Auffassung die neue Sechs-Monats-Frist. Gerade wer im Frühjahr 2026 geblitzt wurde und jetzt Post bekommt, sollte die Verjährungslage prüfen lassen. Alle Details zur neuen Rechtslage: Blitzer-Verjährung seit Juli 2026.
Ausfüllen oder schweigen? Ihre Rechte im Überblick
Die kurze Antwort: Nur die Angaben zur Person sind Pflicht. Das Gesetz trennt strikt zwischen zwei Bereichen:
Die 5 häufigsten Fehler beim Anhörungsbogen
Unsicher, wie Sie reagieren sollen?
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Zum Bußgeld-CheckAnhörungsbogen oder Zeugenfragebogen - was ist der Unterschied?
Der Anhörungsbogen richtet sich an den Betroffenen, dem die Tat selbst vorgeworfen wird - mit vollem Schweigerecht zur Sache. Ein Zeugenfragebogen geht dagegen an den Halter, wenn dieser als Fahrer bereits ausscheidet - etwa weil das Blitzerfoto eindeutig eine andere Person zeigt. Als Zeuge sind Sie zur Wahrheit verpflichtet, dürfen aber die Aussage verweigern, um sich selbst oder nahe Angehörige nicht zu belasten. Auch hier gilt: Bleibt der Fahrer unklar, droht die Fahrtenbuchauflage - wie Sie darauf richtig reagieren, erklärt unser ausführlicher Ratgeber.
Online-Anhörung: Über diese Portale antworten Sie digital
Viele Bußgeldstellen wickeln die Anhörung inzwischen digital ab - in Regionen wie Hessen oder Rheinland-Pfalz ist das bereits Standard. Auf dem Schreiben finden Sie dann einen Zugangscode für eines dieser Portale:
Wichtig: Auch im Online-Portal gelten dieselben Regeln - Pflicht sind nur die Personalien, zur Sache dürfen Sie schweigen. Ist Ihr Portal oben nicht aufgeführt, finden Sie in der folgenden Auflistung die Bußgeldstellen sortiert nach dem jeweils genutzten System:
17 Behörden nutzen anhoerung – hier eine Auswahl:
18 Behörden nutzen anhoerung-online – hier eine Auswahl:
52 Behörden nutzen anhoerung24 – hier eine Auswahl:
Diese Behörden nutzen itk-rheinland.de:
15 Behörden nutzen anhoerung.krz.de – hier eine Auswahl:
Diese Behörden nutzen oa:
18 Behörden nutzen oaportal.komm.one – hier eine Auswahl:
7 Behörden nutzen onlineanhoerung.krzn.de – hier eine Auswahl:
34 Behörden nutzen owi – hier eine Auswahl:
15 Behörden nutzen owi21 – hier eine Auswahl:
Diese Behörden nutzen owianhoerung.ssl:
Diese Behörden nutzen owig:
41 Behörden nutzen owiportal – hier eine Auswahl:
Diese Behörden nutzen regioit.de:
Nach der Anhörung: So geht das Verfahren weiter
Wann ist anwaltliche Hilfe sinnvoll?
Der größte Vorteil eines spezialisierten Verteidigers liegt in der Akteneinsicht: Nur ein Anwalt erhält vollständigen Zugriff auf Messprotokolle, Eichscheine, Schulungsnachweise des Messpersonals - und auf das Anordnungsdatum der Anhörung, das über die Verjährung entscheidet. So lassen sich technische und formale Fehler aufdecken, die für Laien unsichtbar bleiben. Spätestens wenn Punkte, ein Fahrverbot oder ein A-Verstoß in der Probezeit im Raum stehen, lohnt die Prüfung fast immer.
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Häufige Fragen zum Anhörungsbogen
Muss ich den Anhörungsbogen ausfüllen?
Was passiert, wenn ich den Anhörungsbogen ignoriere?
Unterbricht der Anhörungsbogen die Verjährung?
Soll ich den Fahrer nennen, wenn ich es nicht selbst war?
Wie viel Zeit habe ich für die Rücksendung?
Geblitzt worden? Diese Ratgeber helfen jetzt
Vom ersten Behördenbrief bis zur Einspruchsfrist: Diese Beiträge beantworten die wichtigsten Fragen nach einer Messung – verständlich erklärt und regelmäßig aktualisiert.
Fristen, Ablauf und realistische Dauer bis zur Post der Bußgeldstelle.
Die neue 6-Monats-Frist seit Juli 2026 – und die Falle der Unterbrechung nach § 33 OWiG.
Wann Messungen angreifbar sind – von PoliScan bis Laser.
In welchen Bundesländern Sie das Beweisfoto online abrufen können.
Was nach dem Zeugenfragebogen droht – und wie Sie reagieren.
Wann der Härtefall-Antrag den Führerschein retten kann.
Bußgeld, Punkte und Fahrverbot für Ihren Verstoß berechnen.
Termine und Schwerpunkte der bundesweiten Kontrollwochen.
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