Anhörungsbogen erhalten: Ausfüllen, schweigen oder direkt zum Anwalt?
Kurz gesagt: Der Anhörungsbogen ist noch kein Bußgeldbescheid – ohne Betrag und ohne gesetzliche Frist. Pflicht sind nur die Angaben zur Person (§ 111 OWiG), zur Sache dürfen Sie schweigen. Seit 1. Juli 2026 verjähren Verkehrsverstöße nach sechs Monaten; schon die Anordnung der Anhörung unterbricht die Frist (§ 33 OWiG). Wer als Halter nicht reagiert, riskiert eine Fahrtenbuchauflage.
Anhörung im Bußgeldverfahren erhalten?
Sie haben einen Anhörungsbogen wegen eines Tempo-, Abstands- oder Rotlichtverstoßes erhalten? Wir prüfen Ihren Fall, analysieren Messung und Verjährungslage und zeigen Ihnen, welche Chancen ein Einspruch hat.
Zum Bußgeld-CheckWas ist die Anhörung im Bußgeldverfahren?
Die Anhörung ist ein amtliches Schreiben der Bußgeldstelle, mit dem Ihnen ein Verkehrsverstoß zur Last gelegt wird - meist nach einer Messung durch einen Blitzer. Ob eine Geschwindigkeitsüberschreitung, ein Rotlichtverstoß, Handy am Steuer oder das Missachten des Sicherheitsabstands: Der Bogen leitet das Verfahren formell ein und gibt Ihnen nach § 55 OWiG die Gelegenheit, sich zu äußern - bevor ein Bußgeldbescheid ergeht.
Sofort-Check: Was jetzt zu tun ist
- 1. Tatdatum notieren: Wie lange liegt der Verstoß zurück? Seit 1.7.2026 gilt die 6-Monats-Verjährung.
- 2. Personalien prüfen: Nur Name, Anschrift und Geburtsdaten sind Pflichtangaben - sonst nichts.
- 3. Nichts zur Sache zugeben: Zum Vorwurf dürfen Sie schweigen. Ggf. später das Blitzerfoto anfechten.
- 4. Folgen kalkulieren: Drohen Punkte oder Fahrverbot? Der Bußgeldrechner und der Punkteverfall-Rechner geben die Prognose.
Wie hart die Sanktion ausfällt, hängt vom Ort und Ausmaß des Verstoßes ab. Innerorts greifen die Regelsätze besonders früh: Häufige Vorwürfe betreffen 18 km/h, 20 km/h oder 22 km/h Überschreitung - ab 31 km/h innerorts droht das Regelfahrverbot. Außerorts führen etwa 21 km/h zum ersten Punkt, massive Überschreitungen wie 41 km/h fast immer zum Fahrverbot. Wiederholungstäter sollten die 2x-26-km/h-Regel kennen; für LKW, Busse und Wohnmobile mit Anhänger gelten eigene, strengere Regelsätze.
Neu seit 1. Juli 2026: Der Anhörungsbogen und die 6-Monats-Verjährung
Zum 1. Juli 2026 hat der Gesetzgeber § 26 Abs. 3 StVG neu gefasst: Die Verfolgungsverjährung für Verkehrsordnungswidrigkeiten beträgt seither einheitlich sechs Monate statt zuvor drei. Die verbreitete Faustregel „Nach drei Monaten ohne Post ist alles vorbei“ gilt damit nicht mehr. Für den Anhörungsbogen ist dabei eine Besonderheit entscheidend, die kaum jemand kennt:
Die Anordnungs-Falle: Das entscheidende Datum steht nicht im Brief
Die Verjährung wird nach § 33 OWiG bereits durch die behördeninterne Anordnung unterbrochen, den Anhörungsbogen zu versenden - nicht erst durch den Zugang bei Ihnen. Mit der Unterbrechung beginnt die 6-Monats-Frist von Neuem. Das Anordnungsdatum steht jedoch nirgends auf dem Bogen, sondern ausschließlich in der Bußgeldakte. Ob Ihr Verfahren verjährt ist, können Sie dem Schreiben also nicht ansehen - das zeigt erst die Akteneinsicht, die nur ein Anwalt vollständig erhält.
Wichtig für Altfälle: War eine Tat am 1. Juli 2026 nach altem Recht bereits verjährt, bleibt sie verjährt. Lief die alte Frist dagegen noch, greift nach überwiegender Auffassung die neue Sechs-Monats-Frist. Gerade wer im Frühjahr 2026 geblitzt wurde und jetzt Post bekommt, sollte die Verjährungslage prüfen lassen. Alle Details zur neuen Rechtslage: Blitzer-Verjährung seit Juli 2026.
Ausfüllen oder schweigen? Ihre Rechte im Überblick
Die kurze Antwort: Nur die Angaben zur Person sind Pflicht. Das Gesetz trennt strikt zwischen zwei Bereichen:
Die 5 häufigsten Fehler beim Anhörungsbogen
Unsicher, wie Sie reagieren sollen?
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Zum Bußgeld-CheckAnhörungsbogen oder Zeugenfragebogen - was ist der Unterschied?
Der Anhörungsbogen richtet sich an den Betroffenen, dem die Tat selbst vorgeworfen wird - mit vollem Schweigerecht zur Sache. Ein Zeugenfragebogen geht dagegen an den Halter, wenn dieser als Fahrer bereits ausscheidet - etwa weil das Blitzerfoto eindeutig eine andere Person zeigt. Als Zeuge sind Sie zur Wahrheit verpflichtet, dürfen aber die Aussage verweigern, um sich selbst oder nahe Angehörige nicht zu belasten. Auch hier gilt: Bleibt der Fahrer unklar, droht die Fahrtenbuchauflage - wie Sie darauf richtig reagieren, erklärt unser ausführlicher Ratgeber.
| Anhörungsbogen | Zeugenfragebogen | Bußgeldbescheid | |
|---|---|---|---|
| Geht an | den Betroffenen | meist den Halter als Zeugen | den Betroffenen |
| Aussagepflicht | nur Angaben zur Person | keine gegenüber der Behörde | entfällt |
| Betrag genannt | in der Regel nein | nein | ja, mit Gebühren |
| Frist | behördlich gesetzt, meist eine Woche | behördlich gesetzt | zwei Wochen, gesetzlich (§ 67 OWiG) |
| Folge bei Schweigen | Verfahren läuft weiter | Fahrtenbuchauflage möglich | Bescheid wird rechtskräftig |
| Mehr dazu | diese Seite | Zeugenfragebogen | Bußgeldbescheid |
Online-Anhörung: Über diese Portale antworten Sie digital
Viele Bußgeldstellen wickeln die Anhörung inzwischen digital ab – in Regionen wie Hessen oder Rheinland-Pfalz ist das der Regelfall. Auf dem Schreiben stehen dann eine Internetadresse und ein Zugangscode. Welches System dahintersteckt, erkennen Sie an der Adresse:
Zwei Regeln für das Online-Portal
Erstens: Online gilt dasselbe wie auf Papier. Pflicht sind allein die Personalien, zur Sache dürfen Sie schweigen – das Formular fragt beides in einem Rutsch ab, und Abgesendetes lässt sich nicht zurückholen.
Zweitens: Tippen Sie die Adresse selbst in den Browser, statt einem Link aus einer E-Mail zu folgen. Bußgeldstellen fragen nie nach Zahlungsdaten. Mehr dazu: Online-Anhörung im Überblick.
Ist Ihr Portal hier nicht dabei, hilft die folgende Auflistung: Sie zeigt die Bußgeldstellen sortiert nach dem jeweils genutzten System.
17 Behörden nutzen anhoerung – hier eine Auswahl:
18 Behörden nutzen anhoerung-online – hier eine Auswahl:
52 Behörden nutzen anhoerung24 – hier eine Auswahl:
Diese Behörden nutzen itk-rheinland.de:
15 Behörden nutzen anhoerung.krz.de – hier eine Auswahl:
Diese Behörden nutzen oa:
18 Behörden nutzen oaportal.komm.one – hier eine Auswahl:
7 Behörden nutzen onlineanhoerung.krzn.de – hier eine Auswahl:
34 Behörden nutzen owi – hier eine Auswahl:
15 Behörden nutzen owi21 – hier eine Auswahl:
Diese Behörden nutzen owianhoerung.ssl:
Diese Behörden nutzen owig:
41 Behörden nutzen owiportal – hier eine Auswahl:
Diese Behörden nutzen regioit.de:
Nach der Anhörung: So geht das Verfahren weiter
Wann ist anwaltliche Hilfe sinnvoll?
Der größte Vorteil liegt in der Akteneinsicht (§ 147 StPO): Nur ein bevollmächtigter Anwalt erhält vollständigen Zugriff auf Messprotokoll, Eichschein, Schulungsnachweise des Messpersonals – und auf das Anordnungsdatum der Anhörung, das über die Verjährung entscheidet. So lassen sich technische und formale Fehler aufdecken, die im Schreiben selbst nicht sichtbar sind.
Besonders lohnt die Prüfung, wenn Punkte oder ein Fahrverbot im Raum stehen, wenn Sie in der Probezeit sind (A-Verstoß), wenn der Bogen an eine Firma ging oder wenn Sie eine Rechtsschutzversicherung haben – dann trägt sie in aller Regel die Kosten.
Anhörungsbogen prüfen lassen
Bevor Sie etwas eintragen: Rechtsanwalt Yves Junker, Fachanwalt für Verkehrsrecht, nimmt Akteneinsicht und sagt Ihnen, was der Vorwurf wert ist. Die Ersteinschätzung ist kostenlos und unverbindlich.
Kostenlose Ersteinschätzung anfordernHäufige Fragen zum Anhörungsbogen
Muss ich den Anhörungsbogen ausfüllen?
Nur teilweise. Verpflichtend sind allein die Angaben zur Person (Name, Anschrift, Geburtsdatum - § 111 OWiG). Sind diese im Bogen bereits korrekt vorgedruckt, müssen Sie in der Regel nichts weiter tun. Zum Tatvorwurf selbst dürfen Sie schweigen (§ 55 OWiG) - ohne jeden Nachteil.
Was passiert, wenn ich den Anhörungsbogen ignoriere?
Für das Schweigen zur Sache droht keine Sanktion. Falsche oder verweigerte Personalien können dagegen ein eigenes Bußgeld nach sich ziehen. Wichtig: Der Bußgeldbescheid kommt in aller Regel trotzdem - und wenn die Behörde den Fahrer nicht ermitteln kann, prüft sie unter Umständen eine Fahrtenbuchauflage für das Fahrzeug.
Unterbricht der Anhörungsbogen die Verjährung?
Ja - und zwar bereits die behördeninterne Anordnung, den Bogen zu versenden, nicht erst der Zugang bei Ihnen. Seit dem 1. Juli 2026 beträgt die Verjährungsfrist für Verkehrsordnungswidrigkeiten 6 Monate (§ 26 Abs. 3 StVG); mit der Unterbrechung beginnt sie neu zu laufen. Das Anordnungsdatum steht nicht auf dem Bogen, sondern nur in der Bußgeldakte - ob Ihr Verfahren verjährt ist, zeigt daher meist erst die Akteneinsicht durch einen Anwalt.
Soll ich den Fahrer nennen, wenn ich es nicht selbst war?
Sie sind nicht verpflichtet, sich selbst oder nahe Angehörige zu belasten. Bewusst falsche Angaben - etwa eine erfundene Person oder jemand im Ausland - sind dagegen strafbar. Bedenken Sie: Bleibt der Fahrer dauerhaft unklar, kann die Behörde eine Fahrtenbuchauflage anordnen. Lassen Sie die Strategie im Zweifel vorab anwaltlich prüfen.
Wie viel Zeit habe ich für die Rücksendung?
Im Schreiben ist meist eine Frist von etwa einer Woche genannt. Anders als die 14-tägige Einspruchsfrist beim Bußgeldbescheid ist das keine gesetzliche Ausschlussfrist - wer sie verpasst, verliert keine Rechte. Die Pflichtangaben zur Person sollten Sie dennoch zeitnah bestätigen bzw. korrigieren.
Geblitzt worden? Diese Ratgeber helfen jetzt
Vom ersten Behördenbrief bis zur Einspruchsfrist: Diese Beiträge beantworten die wichtigsten Fragen nach einer Messung – verständlich erklärt und regelmäßig aktualisiert.
Fristen, Ablauf und realistische Dauer bis zur Post der Bußgeldstelle.
Die neue 6-Monats-Frist seit Juli 2026 – und die Falle der Unterbrechung nach § 33 OWiG.
Wann Messungen angreifbar sind – von PoliScan bis Laser.
In welchen Bundesländern Sie das Beweisfoto online abrufen können.
Was nach dem Zeugenfragebogen droht – und wie Sie reagieren.
Wann der Härtefall-Antrag den Führerschein retten kann.
Bußgeld, Punkte und Fahrverbot für Ihren Verstoß berechnen.
Termine und Schwerpunkte der bundesweiten Kontrollwochen.
Haftungsausschluss: Dieser Artikel wurde mit größter Sorgfalt erstellt und dient der allgemeinen Information. Er stellt keine individuelle Rechtsberatung dar. JUSORA bietet keine juristischen Dienstleistungen an.
Rechtsquellen & weiterführende Seiten
Stand: 04.10.2026 · geprüft von Rechtsanwalt Yves Junker, Fachanwalt für Verkehrsrecht