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Equal Pay Ratgeber: So prüfen und fordern Sie Ihr Recht auf faire Bezahlung

Equal Pay Ratgeber: So prüfen und fordern Sie Ihr Recht auf faire Bezahlung
Gleichstellung Equal Pay

Verdienen Sie weniger als Ihre Kollegen? Erfahren Sie alles zum Equal Pay Anspruch, dem Entgelttransparenzgesetz und nutzen Sie unseren Inhouse-Rechner.

Der Grundsatz: Gleiches Geld für gleiche Arbeit

Was bedeutet Equal Pay rechtlich genau?

Equal Pay ist kein bloßer Slogan, sondern ein im Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG) und in EU-Verträgen verankertes Recht. Es besagt, dass bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit keine Benachteiligung aufgrund des Geschlechts beim Entgelt erfolgen darf. Weshalb das wichtig ist? Weil Diskriminierung im Gehalt oft unsichtbar bleibt, bis man aktiv nachhakt.

Gilt das nur für das monatliche Brutto?

Keineswegs. Der Entgeltbegriff ist weit gefasst. Warum das für Sie entscheidend ist? Er umfasst alle Leistungen, die Sie vom Chef erhalten: Weihnachtsgeld, Boni, Überstundenzuschläge, Dienstwagen, Aktienoptionen und sogar die betriebliche Altersvorsorge. Überall hier muss Gleichberechtigung herrschen.

Definition: Was ist "gleichwertige Arbeit"?

Oft argumentieren Arbeitgeber, dass Jobs nicht vergleichbar seien. Doch die Rechtsprechung nutzt vier klare Kriterien, um Gleichwertigkeit festzustellen. Wenn diese bei Ihnen und einem Kollegen des anderen Geschlechts ähnlich sind, muss auch das Gehalt ähnlich sein:

Anforderungen Welche Ausbildung, Fachkenntnisse und Fähigkeiten sind für den Job zwingend erforderlich?
Belastungen Geht die Arbeit mit psychischem Stress, hoher Konzentration oder körperlicher Anstrengung einher?
Verantwortung Tragen Sie Verantwortung für Personal, Budgets, Sicherheit oder wichtige Betriebsabläufe?
Arbeitsbedingungen Unter welchen Umständen findet die Arbeit statt (Lärm, Kälte, Reisetätigkeit, Homeoffice)?

JUSORA Tool: Der Entgelt-Check

Mit unserem Inhouse-Tool können Sie die prozentuale Lohnlücke im Vergleich zu einer Referenzgruppe berechnen. Dies dient als erste Grundlage für Ihr Gespräch mit dem Arbeitgeber.

JUSORA Entgelt-Check

Auskunftsanspruch: Ihr Blick in die Gehaltsliste

Wann habe ich ein Recht darauf, die Gehälter zu erfahren?

In Betrieben mit in der Regel mehr als 200 Beschäftigten beim selben Arbeitgeber haben Sie einen individuellen Auskunftsanspruch. Warum das so gestaltet wurde? Um Transparenz in die oft verschlossenen Gehaltsstrukturen zu bringen. Sie können Auskunft über das Durchschnittsentgelt (den Median) einer Gruppe von mindestens sechs Kollegen des anderen Geschlechts verlangen, die eine gleiche oder gleichwertige Tätigkeit ausüben.

Wie oft darf ich diese Auskunft einfordern?

Nach der ersten Anfrage haben Sie alle zwei Jahre ein Recht auf Aktualisierung. Weshalb es sinnvoll ist, dies regelmäßig zu tun? Weil sich durch Boni-Runden oder neue Gehaltsbänder die Strukturen im Unternehmen schnell verschieben können.

Beweislastumkehr: Ihr größter Trumpf

Wenn der Arbeitgeber die Auskunft verweigert oder die Zahlen eine Benachteiligung belegen, greift die Beweislastumkehr. Das bedeutet: Sie müssen nicht mehr beweisen, dass Sie diskriminiert werden. Stattdessen muss der Arbeitgeber vor Gericht beweisen, dass der Gehaltsunterschied auf sachlichen, geschlechtsneutralen Gründen basiert. Das ist in der Praxis extrem schwer.

BAG-Urteil: Das Ende der "Verhandlungs-Ausrede"

Darf ein Kollege mehr verdienen, weil er "besser verhandelt" hat?

Hier hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) 2023 ein Machtwort gesprochen (Az. 8 AZR 450/21). Warum das Urteil historisch ist? Eine Arbeitnehmerin hatte geklagt, weil ihr männlicher Kollege für die identische Arbeit deutlich mehr verdiente. Der Arbeitgeber argumentierte, der Kollege habe das höhere Gehalt beim Einstieg einfach besser ausgehandelt. Das BAG entschied: Individuelles Verhandlungsgeschick rechtfertigt keine Entgeltungleichheit zwischen Männern und Frauen bei gleicher Arbeit.

Ausblick: Die neue EU-Entgelttransparenz

Was ändert sich durch die neue EU-Richtlinie 2023/970?

Die EU verschärft die Regeln massiv. Bis Juni 2026 muss Deutschland diese Richtlinie umsetzen. Weshalb das für Sie gut ist? In Zukunft müssen Arbeitgeber bereits in der Stellenausschreibung das Einstiegsgehalt oder eine Spanne angeben. Zudem dürfen Bewerber nicht mehr nach ihrem aktuellen Gehalt gefragt werden – das unterbindet die Fortführung von Lohnlücken von einem Job zum nächsten.

Checkliste: In 3 Schritten zur Gehaltsanpassung

Haben Sie eine Lohnlücke identifiziert? So setzen Sie Ihren Anspruch auf Equal Pay strategisch durch:

Der Weg zum fairen Entgelt

1
Schriftliche Auskunft einfordern Wenden Sie sich an die Personalabteilung oder den Betriebsrat. Verlangen Sie Auskunft über das Vergleichsentgelt nach § 10 EntgTranspG.
2
Gütegespräch suchen Konfrontieren Sie den Arbeitgeber mit der festgestellten Differenz. Weisen Sie aktiv auf das BAG-Urteil zum Verhandlungsgeschick hin. Fordern Sie eine rückwirkende Anpassung.
3
Klage & Entschädigung Lenkt der Chef nicht ein? Dann bleibt der Weg zum Arbeitsgericht. Sie können nicht nur die Differenz einklagen, sondern bei Diskriminierung oft auch eine zusätzliche Entschädigung verlangen.

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Quellen & Rechtliche Grundlagen

Haftungsausschluss: Dieser Artikel wurde mit größter Sorgfalt erstellt und dient der allgemeinen Information. Er stellt keine individuelle Rechtsberatung dar. JUSORA bietet keine juristischen Dienstleistungen an. Da Gehaltsansprüche oft von individuellen Faktoren (Marktwert, Sonderqualifikationen) abhängen, empfehlen wir bei Gehaltsstreitigkeiten die Beratung durch einen spezialisierten Fachanwalt für Arbeitsrecht.




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Christian Hollmann

Autor & Gründer
Christian Hollmann ist Mitgründer von JUSORA® und seit 2005 im Aufbau von komplexen Informationsstrukturen tätig. Mit langjähriger Erfahrung in der Erstellung juristischer Inhalte für Kanzleien bereitet er Rechtsthemen klar, strukturiert und leserfreundlich auf.

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