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Arbeitsunfähigkeit: Ihre Rechte und Pflichten bei Krankheit

Ihre Rechte und Pflichten bei Krankheit und Arbeitsunfähigkeit
Ihre Rechte und Pflichten bei Krankheit

Was tun bei Krankheit? Erfahren Sie alles über Lohnfortzahlung, Krankschreibung, Kündigungsschutz und Wiedereingliederung (BEM). Sichern Sie sich ab!

Arbeitsunfähigkeit: Was bedeutet das?

Wann gilt man rechtlich als arbeitsunfähig?

Arbeitsunfähigkeit liegt vor, wenn Sie Ihre vertraglich geschuldete Arbeit aufgrund einer Krankheit nicht mehr leisten können oder wenn die Ausübung der Tätigkeit die Heilung verhindern würde.

Weshalb unterscheidet sich die Beurteilung je nach Beruf?

Das deutsche Recht stellt immer auf Ihren konkreten Arbeitsplatz ab. Ein gebrochener Arm macht einen Maurer arbeitsunfähig, während ein Lektor im Homeoffice seine Aufgaben unter Umständen weiterhin erfüllen kann.

Welche Pflichten habe ich im Krankheitsfall?

Wenn Sie erkranken, haben Sie gegenüber Ihrem Arbeitgeber klare Mitwirkungspflichten. Damit der Betrieb planen kann, müssen Sie den korrekten Meldeweg einhalten. Wir haben die wichtigsten Schritte für Sie zusammengefasst:

Der korrekte Meldeweg (EntgFG)

1
Unverzügliche Krankmeldung Informieren Sie Ihren Arbeitgeber so früh wie möglich – im Idealfall vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn. Eine kurze Nachricht über die voraussichtliche Dauer genügt.
2
Vorlage der AU-Bescheinigung Gesetzlich ist das Attest ab dem vierten Tag Pflicht. Aber Achtung: Ihr Arbeitsvertrag kann die Vorlage bereits ab dem ersten Tag vorschreiben. Prüfen Sie dies unbedingt vorab.
3
Verhalten während der Genesung Sie sind verpflichtet, alles zu unterlassen, was die Heilung verzögert. Erlaubt ist jedoch alles, was der Genesung dient – wie etwa Spaziergänge an der frischen Luft oder notwendige Einkäufe.

Diagnose ist Privatsache

Wussten Sie, dass Sie dem Chef nicht sagen müssen, was Sie haben? Der Arbeitgeber hat lediglich ein Recht auf die Information über die Dauer der Arbeitsunfähigkeit, nicht über die Ursache.

Lohnfortzahlung: Wer zahlt wann das Gehalt?

Wie lange zahlt der Betrieb mein volles Gehalt?

Der Arbeitgeber zahlt für bis zu sechs Wochen (42 Tage) den vollen Lohn weiter. Dieser Anspruch entsteht jedoch erst, nachdem das Arbeitsverhältnis bereits vier Wochen ununterbrochen bestanden hat.

Wieso übernimmt danach die Krankenkasse?

Nach Ablauf der sechs Wochen endet die Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers. Damit Sie finanziell abgesichert bleiben, erhalten Sie von der Krankenkasse Krankengeld, welches ca. 70 % Ihres regelmäßigen Bruttoeinkommens beträgt.

EFZG
Entgeltfortzahlung: Gemäß Entgeltfortzahlungsgesetz haben Arbeitnehmer bei unverschuldeter Krankheit Anspruch auf Fortzahlung ihres Arbeitsentgelts durch den Arbeitgeber.

Ist eine Kündigung wegen Krankheit möglich?

Warum schützt eine Krankschreibung nicht vor Kündigung?

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass man während einer Krankheit nicht gekündigt werden kann. Eine Kündigung kann auch während der Abwesenheit zugestellt werden. Die Hürden für eine Kündigung aufgrund der Krankheit selbst sind jedoch extrem hoch.

Was passiert bei der Wiedereingliederung (BEM)?

Wenn ein Mitarbeiter längerfristig ausfällt, ist der Arbeitgeber zur Fürsorge verpflichtet. Ziel des BEM ist es, den Arbeitsplatz dauerhaft zu sichern.

Wann muss ein BEM-Verfahren angeboten werden?

Immer dann, wenn ein Mitarbeiter innerhalb der letzten zwölf Monate länger als sechs Wochen arbeitsunfähig war. Dies gilt unabhängig davon, ob die Fehlzeiten am Stück oder verteilt über das Jahr aufgetreten sind.


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Neben dem Arbeitsrecht finden Sie in unserem Portal fundierte Informationen zu zahlreichen weiteren Rechtsgebieten und aktuellen Urteilen:

Quellen & Rechtliche Grundlagen

  • Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG)
  • Sozialgesetzbuch (SGB IX): § 167 Abs. 2 (BEM)
  • Gewerbeordnung (GewO): § 109 Zeugnisanspruch

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Christian Hollmann

Autor & Gründer
Christian Hollmann ist Mitgründer von JUSORA® und seit 2005 im Aufbau von komplexen Informationsstrukturen tätig. Mit langjähriger Erfahrung in der Erstellung juristischer Inhalte für Kanzleien bereitet er Rechtsthemen klar, strukturiert und leserfreundlich auf.

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