Kurz gesagt: Ein Strafverfahren beginnt mit einem Anfangsverdacht – Anzeige, Kontrolle, Auswertung – und endet mit Einstellung, Strafbefehl oder Anklage. In jeder Phase gilt dieselbe Regel: keine Aussage ohne Akteneinsicht. Einer polizeilichen Vorladung müssen Sie nicht folgen, bei Staatsanwaltschaft und Gericht müssen Sie erscheinen, aussagen nie. Geldstrafen werden in Tagessätzen berechnet (ein Dreißigstel des Nettoeinkommens); ab 91 Tagessätzen steht die Verurteilung im Führungszeugnis, Freiheitsstrafen bis zwei Jahre können zur Bewährung ausgesetzt werden. Gegen Strafbefehl und Bußgeldbescheid laufen zwei Wochen Einspruchsfrist. Was für Ihren Vorwurf gilt – Verkehr, Cannabis, Steuern, Wirtschaft – steht in den verlinkten Themen.
Das Strafrecht bestimmt, welches Verhalten der Staat mit Strafe belegt und wie ein Verfahren abläuft, das diese Strafe verhängt. Die Tatbestände stehen im Strafgesetzbuch und in Nebengesetzen – der Abgabenordnung für Steuerdelikte, dem Konsumcannabisgesetz und dem Betäubungsmittelgesetz für Drogen, dem Straßenverkehrsgesetz für Verkehrsdelikte –, das Verfahren in der Strafprozessordnung. Zwei Prinzipien prägen alles: Die Staatsanwaltschaft muss ermitteln, sobald ein Anfangsverdacht besteht (Legalitätsprinzip), und der Beschuldigte muss nichts zu seiner Überführung beitragen (nemo tenetur). Für Sie wird das Strafrecht praktisch relevant, wenn Sie Post bekommen: eine Vorladung als Beschuldigter, einen Anhörungsbogen, eine Mitteilung über die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens, einen Durchsuchungsbeschluss, einen Strafbefehl oder eine Anklageschrift. Jedes dieser Schreiben steht für eine andere Phase des Verfahrens – und für jede gibt es eine richtige und mehrere falsche Reaktionen.
Anders als im Zivilrecht geht es dabei nicht um Geld zwischen Privaten, sondern um Sanktionen des Staates: Geldstrafe, Freiheitsstrafe, Nebenfolgen wie die Entziehung der Fahrerlaubnis, das Berufsverbot oder die Einziehung von Vermögen – und um die Einträge im Bundeszentralregister und Führungszeugnis, die eine Verurteilung nach sich zieht. Der Unterschied zur Ordnungswidrigkeit ist deshalb nicht nur die Höhe des Betrags: Ein Bußgeld wird gezahlt und ist vergessen, eine Strafe bleibt im Register.
Vom ersten Verdacht bis zum rechtskräftigen Abschluss folgt jedes Verfahren demselben Muster – und an jeder Stelle kann es enden:
Das Schreiben, das im Briefkasten liegt, sagt Ihnen, wo im Verfahren Sie stehen – und welche Frist läuft:
Die Strafprozessordnung gibt Beschuldigten Rechte, die im Ermittlungsverfahren mehr wert sind als jede Erklärung – wenn man sie kennt und nutzt. Schweigen: Sie müssen sich nicht selbst belasten (§ 136 Abs. 1 StPO); vollständiges Schweigen darf nicht gegen Sie gewertet werden – teilweises Schweigen dagegen schon, deshalb entweder ganz oder nach Beratung. Verteidiger: Sie dürfen in jeder Lage des Verfahrens einen Verteidiger hinzuziehen (§ 137 StPO); bei notwendiger Verteidigung – drohende Freiheitsstrafe über einem Jahr, Untersuchungshaft, Landgericht – wird ein Pflichtverteidiger beigeordnet (§ 140 StPO). Akteneinsicht: Der Verteidiger erhält die vollständige Akte (§ 147 StPO); Sie selbst in der Regel nicht. Belehrung: Vor der ersten Vernehmung muss man Sie über Vorwurf und Rechte belehren, sonst ist die Aussage unverwertbar. Dolmetscher: kostenlos, wenn Sie die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrschen (§ 187 GVG). Und gegenüber der Polizei gilt: Personalien angeben, sonst nichts – auch nicht "nur kurz am Telefon".
Fachanwalt für Strafrecht Andreas Junge gibt Ihnen eine erste Einschätzung, was der Vorwurf bedeutet, welche Fristen laufen, ob eine Einstellung realistisch ist und wie die Verteidigung aufgebaut wird. Die Ersteinschätzung ist kostenlos, vertraulich und unverbindlich – bundesweit.
Kostenlose Ersteinschätzung anfordern →Die Geldstrafe wird in Tagessätzen verhängt (§ 40 StGB): Die Zahl – 5 bis 360 – bemisst die Schuld, die Höhe eines Tagessatzes das Nettoeinkommen, ein Dreißigstel des Monatsnetto. Bei 3.000 € netto sind 60 Tagessätze 6.000 €, bei 6.000 € netto 12.000 €. Wer nicht zahlen kann, erhält Ratenzahlung oder verbüßt Ersatzfreiheitsstrafe – seit 2024 entsprechen zwei Tagessätze einem Hafttag. Die Freiheitsstrafe beginnt bei einem Monat; bis zwei Jahre kann sie zur Bewährung ausgesetzt werden (§ 56 StGB), bis ein Jahr in der Regel, darüber bei besonderen Umständen. Bewährung heißt: Die Strafe wird nicht vollstreckt, solange Sie in der Bewährungszeit (zwei bis fünf Jahre) nicht erneut straffällig werden und Auflagen erfüllen. Und das Führungszeugnis: Bei einer ersten Verurteilung erscheint nur, was über 90 Tagessätze oder über drei Monate Freiheitsstrafe liegt; alles darunter steht zwar im Bundeszentralregister, nicht aber im Zeugnis, das Arbeitgeber sehen. Genau deshalb ist die Grenze von 90 Tagessätzen in vielen Verfahren das eigentliche Verhandlungsziel.
| Sanktion | Bedeutung | Führungszeugnis |
|---|---|---|
| Einstellung (§§ 153, 153a, 170 Abs. 2 StPO) | keine Verurteilung; bei § 153a Geldauflage | kein Eintrag |
| Geldstrafe bis 90 Tagessätze | Tagessatz = Netto ÷ 30; Ratenzahlung möglich | kein Eintrag (bei erster Verurteilung) |
| Geldstrafe ab 91 Tagessätzen | gilt umgangssprachlich als "vorbestraft" | Eintrag |
| Freiheitsstrafe bis 2 Jahre | Aussetzung zur Bewährung möglich (§ 56 StGB) | Eintrag (bis 3 Monate: kein Eintrag bei Ersttat) |
| Freiheitsstrafe über 2 Jahre | Vollzug; Halbstrafe/Zweidrittel-Entlassung möglich | Eintrag |
Jeder Vorwurf hat seine eigenen Schwellen, Fristen und Angriffspunkte. Die Themen, die wir mit unserem Partneranwalt im Detail aufbereitet haben:
Straftaten verjähren nach § 78 StGB gestaffelt nach der Höchststrafe: drei Jahre bei Delikten mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe (Beleidigung, einfache Fälle), fünf Jahre bei bis zu fünf Jahren Höchststrafe (Körperverletzung, Diebstahl, Betrug, einfache Steuerhinterziehung, Trunkenheitsfahrt), zehn Jahre bei bis zu zehn Jahren (gefährliche Körperverletzung, schwerer Diebstahl), zwanzig Jahre darüber; Mord verjährt nie, besonders schwere Steuerhinterziehung erst nach fünfzehn Jahren (§ 376 AO). Die Frist beginnt mit Beendigung der Tat und wird durch jede Ermittlungshandlung – Vernehmung, Durchsuchungsbeschluss, Anklage – unterbrochen; sie läuft dann von vorn, längstens bis zum Doppelten der gesetzlichen Frist. Wer auf Verjährung hofft, sollte die Unterbrechungen kennen: In der Praxis verjähren Verfahren selten "weg", weil die Behörden die Fristen im Blick haben. Zum Bußgeldrecht mit seinen kurzen Fristen: Blitzer-Verjährung.
Anwaltskosten im Strafverfahren richten sich nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz oder einer Honorarvereinbarung. Für die Vertretung im Ermittlungsverfahren – Akteneinsicht, schriftliche Einlassung, Einstellungsantrag – liegen sie meist im mittleren bis oberen dreistelligen Bereich, für eine Hauptverhandlung entsprechend mehr; Wirtschafts- und Steuerstrafverfahren werden nach Aufwand abgerechnet. Endet das Verfahren mit Freispruch oder Einstellung mangels Tatverdachts, trägt die Staatskasse die notwendigen Auslagen. Die Rechtsschutzversicherung zahlt bei Fahrlässigkeitsvorwürfen in der Regel, bei Vorsatzdelikten meist nur, wenn das Verfahren nicht mit einer Verurteilung wegen Vorsatz endet – dann rückwirkend; eine Erstberatung ist häufig abgedeckt. In Fällen der notwendigen Verteidigung (§ 140 StPO) – drohende Freiheitsstrafe über einem Jahr, Untersuchungshaft, Landgericht, Unfähigkeit zur Selbstverteidigung – wird auf Antrag ein Pflichtverteidiger beigeordnet; die Kosten trägt zunächst die Staatskasse und fordert sie nur bei Verurteilung zurück. Sie dürfen den Pflichtverteidiger selbst vorschlagen.
Bei jedem Schreiben, das Sie als Beschuldigten anspricht – und zwar bevor Sie darauf antworten. Der Verteidiger erhält die Akte, die Sie nicht sehen; er entscheidet mit Ihnen, ob geschwiegen oder erklärt wird; er stellt den Einstellungsantrag zum richtigen Zeitpunkt und verhandelt eine Auflage, bevor ein Strafbefehl ergeht; er hält Fristen und übernimmt den Kontakt zu den Behörden. Bei Vorwürfen mit Führerschein-, Berufs- oder Aufenthaltsfolgen, bei allem, was ins Führungszeugnis kommen kann, und in jedem Wirtschafts-, Steuer- oder Sexualstrafverfahren ist die Verteidigung keine Frage des "ob", sondern des "wie früh". Der erste Schritt kostet nichts: Über JUSORA erhalten Sie eine kostenlose Ersteinschätzung durch unseren Partneranwalt, bevor Sie irgendetwas entscheiden.
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