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A-Verstoß in der Probezeit: Liste, Folgen & Aufbauseminar

KI-generiertes Symbolbild A-Verstoß in der Probezeit: Liste, Folgen & Aufbauseminar
Verkehr A-Verstoß
Geprüft von Fachanwalt für Verkehrsrecht Yves Junker
Fachlich geprüft & verifiziert
Fachanwalt für Verkehrsrecht

Welche Verstöße als A-Verstoß gelten (Anlage 12 FeV), ab wann Aufbauseminar und Probezeitverlängerung drohen und was bis 20 km/h folgenlos bleibt.

Kurz gesagt: Ein A-Verstoß ist eine schwerwiegende Zuwiderhandlung im Sinne der Anlage 12 zur FeV. In der Probezeit genügt bereits ein einziger, um Aufbauseminar und Verlängerung der Probezeit um zwei Jahre auszulösen – bei den weniger schwerwiegenden B-Verstößen braucht es zwei. Zu den A-Verstößen zählen unter anderem Geschwindigkeitsüberschreitungen ab 21 km/h, Rotlichtverstöße, zu geringer Abstand, Handy am Steuer, Vorfahrtsmissachtung, Alkohol am Steuer sowie mehrere Straftaten wie Unfallflucht und Nötigung. Wichtig: Eine Überschreitung bis 20 km/h ist weder A- noch B-Verstoß und löst keine Probezeitmaßnahme aus. Voraussetzung ist stets eine rechtskräftige, im Fahreignungsregister eintragungsfähige Entscheidung.

Was ein A-Verstoß ist

Als A-Verstoß bezeichnet man eine schwerwiegende Zuwiderhandlung im Sinne der Anlage 12 zur Fahrerlaubnis-Verordnung. Der Begriff stammt nicht aus dem Bußgeldrecht, sondern aus dem Fahrerlaubnisrecht: Er entscheidet ausschließlich darüber, welche Maßnahmen die Fahrerlaubnisbehörde in der Probezeit anordnet.

Das ist der Punkt, an dem die meisten Missverständnisse entstehen. Bußgeld, Punkte und Fahrverbot ergeben sich unverändert aus dem Bußgeldkatalog – für Fahranfänger wie für alle anderen. Die Einordnung als A- oder B-Verstoß kommt zusätzlich hinzu und betrifft nur, wer sich noch in der Probezeit befindet. Nach deren Ablauf bleibt ein Verstoß zwar formal ein A-Verstoß, hat aber keine Probezeitfolgen mehr.

Die praktische Konsequenz ist einschneidend: Ein einziger A-Verstoß genügt, um ein kostenpflichtiges Aufbauseminar und die Verlängerung der Probezeit von zwei auf vier Jahre auszulösen. Bei den weniger schwerwiegenden B-Verstößen sind dafür zwei Verstöße erforderlich.

Anlage 12 FeV: Woher die Einordnung kommt

Die Zuordnung ist nicht Auslegungssache, sondern steht in einer Liste. Vier Vorschriften greifen ineinander:

§ 2a
StVG
Fahrerlaubnis auf Probe: Regelt die zweijährige Probezeit und die Stufenfolge der Maßnahmen – Aufbauseminar, Verwarnung, Entziehung. Die zentrale Norm für Fahranfänger.
Anlage 12
FeV
Die Bewertungsliste: Sie teilt Straftaten und Ordnungswidrigkeiten in Abschnitt A (schwerwiegend) und Abschnitt B (weniger schwerwiegend) ein. Was dort nicht steht, löst keine Probezeitmaßnahme aus.
§ 24
StVG
Verkehrsordnungswidrigkeiten: Die allgemeine Grundlage für Geldbußen im Straßenverkehr. Ausführlich: § 24 StVG.
BKatV
Bußgeldkatalog-Verordnung: Bestimmt Höhe der Geldbuße, Punkte und Fahrverbot. Sie kennt keine A- oder B-Verstöße – diese Einordnung erfolgt erst nachgelagert über die Anlage 12.

A-Verstöße als Ordnungswidrigkeit

Diese Verstöße kommen in der Praxis am häufigsten vor. Maßgeblich ist jeweils, dass der Tatbestand punktebewehrt ist – genau daran knüpft die Anlage 12 an:

Verstoß Ab wann A-Verstoß Norm
Geschwindigkeit ab 21 km/h Überschreitung – innerorts wie außerorts § 3 StVO
Rotlichtverstoß bereits der einfache Verstoß mit Punkt; qualifiziert ab einer Sekunde § 37 StVO
Abstand sobald der Verstoß punktebewehrt ist, also ab den höheren Geschwindigkeitsstufen § 4 StVO
Handy am Steuer jede verbotswidrige Nutzung eines elektronischen Geräts § 23 StVO
Vorfahrt und Überholen Missachtung der Vorfahrt, Überholen trotz Verbots oder bei unklarer Lage §§ 5, 8 StVO
Alkohol am Steuer Verstoß gegen das absolute Alkoholverbot für Fahranfänger § 24c StVG
Fahren ohne Begleitperson beim begleiteten Fahren ab 17 ohne eingetragene Begleitperson § 48a FeV
Hinweis: Die Einordnung folgt der Anlage 12 zur FeV; Bußgeld, Punkte und Fahrverbot ergeben sich daneben aus dem Bußgeldkatalog. Maßgeblich ist stets der Einzelfall.

Die konkreten Beträge für die häufigsten Fälle finden Sie im Bußgeldkatalog Geschwindigkeit, bei Rote Ampel überfahren, unter Abstand nicht eingehalten und bei Handy am Steuer. Berechnen lassen sich die Folgen im Bußgeldrechner.

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A-Verstöße als Straftat

Anlage 12 erfasst in Abschnitt A auch Straftaten – soweit sie nicht ohnehin schon zur Entziehung der Fahrerlaubnis geführt haben. Dann erübrigen sich die Probezeitmaßnahmen, weil es keine Fahrerlaubnis mehr gibt, auf die sie sich beziehen könnten.

  1. Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort Der praktisch häufigste Fall. Schon ein geringer Schaden auf dem Parkplatz kann genügen. Ausführlich: Unfallflucht.
  2. Trunkenheit im Verkehr und Gefährdung des Straßenverkehrs Fahren im fahruntüchtigen Zustand sowie grob verkehrswidriges Verhalten mit konkreter Gefährdung. Beides führt in aller Regel ohnehin zur Entziehung.
  3. Nötigung im Straßenverkehr Dichtes Auffahren mit Lichthupe, Ausbremsen, Blockieren – der Übergang von der Ordnungswidrigkeit zur Straftat ist fließender, als viele annehmen.
  4. Verbotene Kraftfahrzeugrennen Auch als Einzelner, wenn es darum geht, eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen.
  5. Unterlassene Hilfeleistung Wer an einer Unfallstelle vorbeifährt, ohne zu helfen, begeht nicht nur eine Straftat, sondern zugleich einen A-Verstoß.
  6. Fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung Hier gilt eine Besonderheit: Ob A- oder B-Verstoß, richtet sich nach der Einordnung des zugrunde liegenden Verkehrsverstoßes.

A-Verstoß und B-Verstoß im Vergleich

Beide Kategorien führen zu denselben Maßnahmen – nur die Zahl der erforderlichen Verstöße unterscheidet sich:

A-Verstoß B-Verstoß
Einordnung schwerwiegende Zuwiderhandlung weniger schwerwiegende Zuwiderhandlung
Auslöser für Maßnahmen ein Verstoß genügt zwei Verstöße erforderlich
Typische Beispiele Geschwindigkeit ab 21 km/h, Rotlicht, Abstand, Handy, Alkohol, Unfallflucht abgefahrene Reifen, deutlich überzogene Hauptuntersuchung, Parken vor Rettungswegen
Folge Aufbauseminar und Verlängerung der Probezeit um zwei Jahre – identisch für beide Wege

Merksatz: Zwei B-Verstöße wirken zusammen wie ein A-Verstoß. Wer also zweimal mit einem vermeintlich harmlosen Verstoß auffällt, steht am Ende genau dort, wo auch ein einzelner Rotlichtverstoß hinführt. Die vollständige Gegenüberstellung finden Sie unter B-Verstoß.

Was keine Probezeitmaßnahme auslöst

Nicht jeder Verstoß in der Probezeit hat Folgen für die Fahrerlaubnis. Das ist die entlastende Nachricht, die in vielen Ratgebern untergeht:

Bis 20 km/h passiert nichts

Eine Geschwindigkeitsüberschreitung bis einschließlich 20 km/h ist weder A- noch B-Verstoß. Sie kostet Bußgeld, aber keinen Punkt – und löst deshalb auch keine Probezeitmaßnahme aus. Wer mit 19 km/h zu viel geblitzt wird, zahlt und ist damit durch. Erst ab 21 km/h beginnt der Bereich, in dem Aufbauseminar und Probezeitverlängerung drohen.

Dasselbe gilt für Verwarnungsgelder ohne Punkt: ein Parkverstoß ohne Behinderung, ein leichter Haltelinienverstoß an der Ampel, geringfügige Ausstattungsmängel. Alles, was nicht in Anlage 12 steht und keinen Eintrag im Fahreignungsregister nach sich zieht, bleibt für die Probezeit folgenlos. Beim Unterschied zwischen Haltelinie und Rotlicht liegt genau hier der Unterschied zwischen 10 Euro und einem Aufbauseminar – dazu ausführlich: Bei Rot über die Haltlinie.

Wann die Maßnahme tatsächlich greift

Damit die Fahrerlaubnisbehörde handeln kann, müssen drei Bedingungen zusammenkommen. Jede davon ist ein möglicher Ansatzpunkt:

  1. Die Tat wurde innerhalb der Probezeit begangen Maßgeblich ist der Tattag, nicht der Tag des Bescheids. Liegt die Fahrt nach dem Ende der Probezeit, greifen die Maßnahmen nicht mehr – auch wenn der Bescheid erst später zugestellt wird.
  2. Es liegt eine rechtskräftige Entscheidung vor Solange Einspruch eingelegt ist und das Verfahren läuft, gibt es keine Rechtskraft – und damit keine Grundlage für die Anordnung. Das ist der Grund, warum der Einspruch in der Probezeit mehr bewirkt als anderswo.
  3. Die Entscheidung ist im Fahreignungsregister eintragungsfähig Nur punktebewehrte Verstöße werden eingetragen. Ein reines Verwarnungsgeld ohne Punkt erfüllt diese Voraussetzung nicht.

Daraus folgt der praktisch wichtigste Rat: In der Probezeit geht es beim Einspruch selten um das Bußgeld. Es geht darum, die Rechtskraft zu verhindern oder den Vorwurf auf einen nicht punktebewehrten Tatbestand zu reduzieren. Gelingt das, entfallen Aufbauseminar und Probezeitverlängerung vollständig.

Die drei Maßnahmenstufen nach § 2a StVG

Stufe 1 Aufbauseminar und Verlängerung

Nach dem ersten A-Verstoß oder zwei B-Verstößen: Die Probezeit verlängert sich um zwei Jahre auf insgesamt vier, und die Teilnahme an einem Aufbauseminar wird angeordnet. Wer nicht fristgerecht teilnimmt, verliert die Fahrerlaubnis.

Stufe 2 Verwarnung und Beratung

Nach dem nächsten A-Verstoß oder zwei weiteren B-Verstößen: schriftliche Verwarnung mit dem Hinweis auf eine verkehrspsychologische Beratung. Diese ist freiwillig und ersetzt keine Maßnahme – sie soll vor der dritten Stufe bewahren.

Stufe 3 Entziehung der Fahrerlaubnis

Nach dem dritten A-Verstoß wird die Fahrerlaubnis entzogen. Ein Neuantrag ist frühestens nach drei Monaten möglich; die Behörde kann zusätzlich ein Gutachten verlangen. Ausführlich: Entziehung der Fahrerlaubnis.

Die Stufen bauen aufeinander auf und werden nicht übersprungen. Wer allerdings eine Alkohol- oder Drogenfahrt begeht oder eine schwere Straftat im Straßenverkehr, kann unabhängig von dieser Stufenfolge die Fahrerlaubnis verlieren – dann greift die allgemeine Eignungsprüfung nach § 3 StVG. Mehr dazu: Alkohol und Drogen am Steuer.

Aufbauseminar: Ablauf, Kosten, Fristen

Das Aufbauseminar für Fahranfänger wird von Fahrschulen mit besonderer Qualifikation durchgeführt. Es besteht aus mehreren Sitzungen in einer Gruppe und einer begleiteten Fahrprobe; eine Prüfung gibt es nicht – entscheidend ist die vollständige Teilnahme.

Die Kosten trägt der Betroffene und liegen je nach Anbieter und Region typischerweise im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich. Eine Erstattung durch die Rechtsschutzversicherung ist nicht vorgesehen.

Entscheidend ist die Frist: Die Behörde setzt im Anordnungsbescheid einen Termin, bis zu dem die Teilnahmebescheinigung vorliegen muss. Wird sie versäumt, ist die Fahrerlaubnis zu entziehen – und zwar zwingend, nicht nach Ermessen. Das trifft in der Praxis mehr Betroffene als der Verstoß selbst, weil die Anordnung im Alltag untergeht.

Wann sich ein Einspruch in der Probezeit lohnt

In der Probezeit steht bei jedem Bescheid mehr auf dem Spiel als der Betrag. Diese Konstellationen sind besonders prüfenswert:

  1. Der Wert liegt knapp über 20 km/h Bei 21 oder 22 km/h nach Toleranzabzug entscheidet ein einziger Kilometer über Punkt, Aufbauseminar und zwei zusätzliche Jahre Probezeit. Ein Fehler beim Toleranzabzug kippt das gesamte Ergebnis.
  2. Der Vorwurf beruht nur auf einer Beobachtung Bei Handy- und Vorfahrtverstößen gibt es meist kein Foto, sondern die Wahrnehmung eines Beamten aus dem fahrenden oder stehenden Fahrzeug. Dauer und Position der Beobachtung sind häufig nicht zweifelsfrei.
  3. Die Abgrenzung ist streitig Haltlinie statt Rotlicht, einfacher statt qualifizierter Rotlichtverstoß, Abstand nur kurzzeitig unterschritten – jede dieser Verschiebungen kann den Punkt und damit die Probezeitmaßnahme entfallen lassen.
  4. Die Messung ist angreifbar Eichung, Aufstellwinkel, Schulung des Messbeamten, Sichtbarkeit der Beschilderung. Wie das geprüft wird, erklärt Blitzerfoto anfechten.
  5. Es besteht eine Rechtsschutzversicherung Mit Verkehrsrechtsschutz trägt sie in der Regel die Kosten. Dann ist die Prüfung praktisch risikolos.

Der Ablauf ist immer gleich: Zeugenfragebogen oder Anhörung, dann der Bußgeldbescheid, dann zwei Wochen Einspruchsfrist. Legen Sie zunächst fristwahrend ein und beantragen Sie Akteneinsicht – die Begründung folgt danach. Wie es weitergeht, wenn Sie in der Probezeit geblitzt wurden, zeigt der Ratgeber Geblitzt in der Probezeit.

Bescheid in der Probezeit prüfen lassen

Ohne Rechtskraft keine Maßnahme.

Solange der Einspruch läuft, kann die Behörde weder Aufbauseminar noch Probezeitverlängerung anordnen. Die Frist beträgt zwei Wochen.

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Häufige Fragen zum A-Verstoß

Hinweis: Stand der Informationen: September 2026. Dieser Beitrag bietet eine erste Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall; JUSORA erbringt keine Rechtsdienstleistungen. Die Einordnung als A- oder B-Verstoß folgt der Anlage 12 zur FeV; maßgeblich sind der konkrete Tatbestand und die Entscheidung der zuständigen Fahrerlaubnisbehörde.

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Christian Hollmann

Autor & Gründer
Christian Hollmann ist Mitgründer von JUSORA® und seit 2005 im Aufbau von komplexen Informationsstrukturen tätig. Mit langjähriger Erfahrung in der Erstellung juristischer Inhalte für Kanzleien bereitet er Rechtsthemen klar, strukturiert und leserfreundlich auf.
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