Kurz gesagt: Ein A-Verstoß ist eine schwerwiegende Zuwiderhandlung im Sinne der Anlage 12 zur FeV. In der Probezeit genügt bereits ein einziger, um Aufbauseminar und Verlängerung der Probezeit um zwei Jahre auszulösen – bei den weniger schwerwiegenden B-Verstößen braucht es zwei. Zu den A-Verstößen zählen unter anderem Geschwindigkeitsüberschreitungen ab 21 km/h, Rotlichtverstöße, zu geringer Abstand, Handy am Steuer, Vorfahrtsmissachtung, Alkohol am Steuer sowie mehrere Straftaten wie Unfallflucht und Nötigung. Wichtig: Eine Überschreitung bis 20 km/h ist weder A- noch B-Verstoß und löst keine Probezeitmaßnahme aus. Voraussetzung ist stets eine rechtskräftige, im Fahreignungsregister eintragungsfähige Entscheidung.
Als A-Verstoß bezeichnet man eine schwerwiegende Zuwiderhandlung im Sinne der Anlage 12 zur Fahrerlaubnis-Verordnung. Der Begriff stammt nicht aus dem Bußgeldrecht, sondern aus dem Fahrerlaubnisrecht: Er entscheidet ausschließlich darüber, welche Maßnahmen die Fahrerlaubnisbehörde in der Probezeit anordnet.
Das ist der Punkt, an dem die meisten Missverständnisse entstehen. Bußgeld, Punkte und Fahrverbot ergeben sich unverändert aus dem Bußgeldkatalog – für Fahranfänger wie für alle anderen. Die Einordnung als A- oder B-Verstoß kommt zusätzlich hinzu und betrifft nur, wer sich noch in der Probezeit befindet. Nach deren Ablauf bleibt ein Verstoß zwar formal ein A-Verstoß, hat aber keine Probezeitfolgen mehr.
Die praktische Konsequenz ist einschneidend: Ein einziger A-Verstoß genügt, um ein kostenpflichtiges Aufbauseminar und die Verlängerung der Probezeit von zwei auf vier Jahre auszulösen. Bei den weniger schwerwiegenden B-Verstößen sind dafür zwei Verstöße erforderlich.
Die Zuordnung ist nicht Auslegungssache, sondern steht in einer Liste. Vier Vorschriften greifen ineinander:
Wie viel km/h zu schnell?
Bußgeld, Punkte und Fahrverbot für Pkw – wählen Sie Ihren Wert
Innerorts
Außerorts
Diese Verstöße kommen in der Praxis am häufigsten vor. Maßgeblich ist jeweils, dass der Tatbestand punktebewehrt ist – genau daran knüpft die Anlage 12 an:
| Verstoß | Ab wann A-Verstoß | Norm |
|---|---|---|
| Geschwindigkeit | ab 21 km/h Überschreitung – innerorts wie außerorts | § 3 StVO |
| Rotlichtverstoß | bereits der einfache Verstoß mit Punkt; qualifiziert ab einer Sekunde | § 37 StVO |
| Abstand | sobald der Verstoß punktebewehrt ist, also ab den höheren Geschwindigkeitsstufen | § 4 StVO |
| Handy am Steuer | jede verbotswidrige Nutzung eines elektronischen Geräts | § 23 StVO |
| Vorfahrt und Überholen | Missachtung der Vorfahrt, Überholen trotz Verbots oder bei unklarer Lage | §§ 5, 8 StVO |
| Alkohol am Steuer | Verstoß gegen das absolute Alkoholverbot für Fahranfänger | § 24c StVG |
| Fahren ohne Begleitperson | beim begleiteten Fahren ab 17 ohne eingetragene Begleitperson | § 48a FeV |
| Hinweis: Die Einordnung folgt der Anlage 12 zur FeV; Bußgeld, Punkte und Fahrverbot ergeben sich daneben aus dem Bußgeldkatalog. Maßgeblich ist stets der Einzelfall. | ||
Die konkreten Beträge für die häufigsten Fälle finden Sie im Bußgeldkatalog Geschwindigkeit, bei Rote Ampel überfahren, unter Abstand nicht eingehalten und bei Handy am Steuer. Berechnen lassen sich die Folgen im Bußgeldrechner.
Aufbauseminar und zwei Jahre mehr Probezeit hängen an einer einzigen rechtskräftigen Entscheidung. Lassen Sie den Bescheid prüfen, solange die Frist läuft.
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Anlage 12 erfasst in Abschnitt A auch Straftaten – soweit sie nicht ohnehin schon zur Entziehung der Fahrerlaubnis geführt haben. Dann erübrigen sich die Probezeitmaßnahmen, weil es keine Fahrerlaubnis mehr gibt, auf die sie sich beziehen könnten.
Beide Kategorien führen zu denselben Maßnahmen – nur die Zahl der erforderlichen Verstöße unterscheidet sich:
| A-Verstoß | B-Verstoß | |
|---|---|---|
| Einordnung | schwerwiegende Zuwiderhandlung | weniger schwerwiegende Zuwiderhandlung |
| Auslöser für Maßnahmen | ein Verstoß genügt | zwei Verstöße erforderlich |
| Typische Beispiele | Geschwindigkeit ab 21 km/h, Rotlicht, Abstand, Handy, Alkohol, Unfallflucht | abgefahrene Reifen, deutlich überzogene Hauptuntersuchung, Parken vor Rettungswegen |
| Folge | Aufbauseminar und Verlängerung der Probezeit um zwei Jahre – identisch für beide Wege | |
Merksatz: Zwei B-Verstöße wirken zusammen wie ein A-Verstoß. Wer also zweimal mit einem vermeintlich harmlosen Verstoß auffällt, steht am Ende genau dort, wo auch ein einzelner Rotlichtverstoß hinführt. Die vollständige Gegenüberstellung finden Sie unter B-Verstoß.
Nicht jeder Verstoß in der Probezeit hat Folgen für die Fahrerlaubnis. Das ist die entlastende Nachricht, die in vielen Ratgebern untergeht:
Eine Geschwindigkeitsüberschreitung bis einschließlich 20 km/h ist weder A- noch B-Verstoß. Sie kostet Bußgeld, aber keinen Punkt – und löst deshalb auch keine Probezeitmaßnahme aus. Wer mit 19 km/h zu viel geblitzt wird, zahlt und ist damit durch. Erst ab 21 km/h beginnt der Bereich, in dem Aufbauseminar und Probezeitverlängerung drohen.
Dasselbe gilt für Verwarnungsgelder ohne Punkt: ein Parkverstoß ohne Behinderung, ein leichter Haltelinienverstoß an der Ampel, geringfügige Ausstattungsmängel. Alles, was nicht in Anlage 12 steht und keinen Eintrag im Fahreignungsregister nach sich zieht, bleibt für die Probezeit folgenlos. Beim Unterschied zwischen Haltelinie und Rotlicht liegt genau hier der Unterschied zwischen 10 Euro und einem Aufbauseminar – dazu ausführlich: Bei Rot über die Haltlinie.
Damit die Fahrerlaubnisbehörde handeln kann, müssen drei Bedingungen zusammenkommen. Jede davon ist ein möglicher Ansatzpunkt:
Daraus folgt der praktisch wichtigste Rat: In der Probezeit geht es beim Einspruch selten um das Bußgeld. Es geht darum, die Rechtskraft zu verhindern oder den Vorwurf auf einen nicht punktebewehrten Tatbestand zu reduzieren. Gelingt das, entfallen Aufbauseminar und Probezeitverlängerung vollständig.
Nach dem ersten A-Verstoß oder zwei B-Verstößen: Die Probezeit verlängert sich um zwei Jahre auf insgesamt vier, und die Teilnahme an einem Aufbauseminar wird angeordnet. Wer nicht fristgerecht teilnimmt, verliert die Fahrerlaubnis.
Nach dem nächsten A-Verstoß oder zwei weiteren B-Verstößen: schriftliche Verwarnung mit dem Hinweis auf eine verkehrspsychologische Beratung. Diese ist freiwillig und ersetzt keine Maßnahme – sie soll vor der dritten Stufe bewahren.
Nach dem dritten A-Verstoß wird die Fahrerlaubnis entzogen. Ein Neuantrag ist frühestens nach drei Monaten möglich; die Behörde kann zusätzlich ein Gutachten verlangen. Ausführlich: Entziehung der Fahrerlaubnis.
Die Stufen bauen aufeinander auf und werden nicht übersprungen. Wer allerdings eine Alkohol- oder Drogenfahrt begeht oder eine schwere Straftat im Straßenverkehr, kann unabhängig von dieser Stufenfolge die Fahrerlaubnis verlieren – dann greift die allgemeine Eignungsprüfung nach § 3 StVG. Mehr dazu: Alkohol und Drogen am Steuer.
Das Aufbauseminar für Fahranfänger wird von Fahrschulen mit besonderer Qualifikation durchgeführt. Es besteht aus mehreren Sitzungen in einer Gruppe und einer begleiteten Fahrprobe; eine Prüfung gibt es nicht – entscheidend ist die vollständige Teilnahme.
Die Kosten trägt der Betroffene und liegen je nach Anbieter und Region typischerweise im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich. Eine Erstattung durch die Rechtsschutzversicherung ist nicht vorgesehen.
Entscheidend ist die Frist: Die Behörde setzt im Anordnungsbescheid einen Termin, bis zu dem die Teilnahmebescheinigung vorliegen muss. Wird sie versäumt, ist die Fahrerlaubnis zu entziehen – und zwar zwingend, nicht nach Ermessen. Das trifft in der Praxis mehr Betroffene als der Verstoß selbst, weil die Anordnung im Alltag untergeht.
In der Probezeit steht bei jedem Bescheid mehr auf dem Spiel als der Betrag. Diese Konstellationen sind besonders prüfenswert:
Der Ablauf ist immer gleich: Zeugenfragebogen oder Anhörung, dann der Bußgeldbescheid, dann zwei Wochen Einspruchsfrist. Legen Sie zunächst fristwahrend ein und beantragen Sie Akteneinsicht – die Begründung folgt danach. Wie es weitergeht, wenn Sie in der Probezeit geblitzt wurden, zeigt der Ratgeber Geblitzt in der Probezeit.
Solange der Einspruch läuft, kann die Behörde weder Aufbauseminar noch Probezeitverlängerung anordnen. Die Frist beträgt zwei Wochen.
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Hinweis: Stand der Informationen: September 2026. Dieser Beitrag bietet eine erste Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall; JUSORA erbringt keine Rechtsdienstleistungen. Die Einordnung als A- oder B-Verstoß folgt der Anlage 12 zur FeV; maßgeblich sind der konkrete Tatbestand und die Entscheidung der zuständigen Fahrerlaubnisbehörde.
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