Wo blitzt Deutschland wirklich – und wohin verschiebt sich die Überwachung? Für diesen Report hat die jusora-Redaktion den eigenen Messstellen-Bestand ausgewertet: 2.706 Blitzer aller Bauarten, erfasst und laufend gepflegt in unserem Blitzer-Verzeichnis – aufgeteilt in 876 innerörtliche Messstellen, 789 an Autobahnen sowie 809 an Bundes- und 232 an Landstraßen. Erstmals unterscheidet die Auswertung dabei konsequent nach Bauart: fest installierte Anlagen, mobile Blitzer, Blitzeranhänger (Enforcement-Trailer) und teilstationäre Systeme. Das Ergebnis stellt einige Gewissheiten auf den Kopf – angefangen bei der Frage, wie Deutschland überhaupt blitzt.
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis der Auswertung steckt schon in der Grundverteilung: Nicht einmal jede dritte Messstelle ist eine fest installierte Anlage. Mit 1.236 Einträgen (45,7 Prozent) dominieren mobile Blitzer den Bestand, 973 Anlagen (36,0 Prozent) sind fest verbaut – und bereits 494 (18,3 Prozent) entfallen auf Blitzeranhänger, die autonomen Enforcement-Trailer, die es vor wenigen Jahren noch gar nicht gab. Teilstationäre Systeme spielen mit 3 Einträgen bislang kaum eine Rolle.
Noch deutlicher wird das Bild je Streckenart: Innerorts und an Bundesstraßen ist rund jede zweite Messstelle fest verbaut (54 bzw. 51 Prozent) – auf der Autobahn dagegen nur jede zehnte (80 von 789). Die Faustregel des Reports lautet also: Je schneller die Strecke, desto beweglicher die Kontrolle. Alle folgenden Rankings konzentrieren sich auf die 973 fest installierten Anlagen – denn nur sie stehen morgen noch dort, wo sie heute gelistet sind.
Bei den fest installierten Stadt-Blitzern überwacht jeder fünfte eine Tempo-30-Strecke: 97 der 471 festen Anlagen (20,6 Prozent) stehen an einem 30er-Limit, das klassische Tempo 50 kommt auf 317 Anlagen (67,3 Prozent). Der eigentliche Befund steckt aber im Vergleich mit den beweglichen Kontrollen: Rechnet man mobile Blitzer und Anhänger hinzu, liegen innerorts 277 von 876 Messpunkten an 30er-Strecken – bei den mobilen Kontrollpunkten allein sind es 44 Prozent (180 von 405). Der Tempo-30-Trend der Verkehrsüberwachung läuft also vor allem über die mobile Schiene: Die Kommunen kontrollieren ihre neuen 30er-Zonen zuerst flexibel – die festen Säulen folgen erfahrungsgemäß später. Das ist mehr als ein statistisches Detail: Seit die StVG-Novelle den Kommunen die Anordnung von Tempo 30 deutlich erleichtert, wächst die Zahl der 30er-Strecken – und die Messtechnik zieht nach. Für Autofahrer bedeutet das eine doppelte Verschiebung: Die Verstoßschwelle sinkt (wer die gewohnten 50 fährt, ist in der neuen 30er-Zone bereits 20 km/h zu schnell), während die Kontrolldichte genau dort steigt.
So verteilen sich die 471 fest installierten innerörtlichen Anlagen auf die Tempolimits:
Beim Blick auf die festen Anlagen liegt überraschend Hamburg mit 29 Säulen vor Berlin (25) – und auf Platz 3 folgt mit Darmstadt (18, gleichauf mit Dresden) eine 160.000-Einwohner-Stadt, noch vor Karlsruhe, Frankfurt und Düsseldorf (je 14). München kommt auf gerade einmal 9 feste Anlagen. Die Top 10 im Überblick:
Noch aufschlussreicher ist der Blick auf die reinen Tempo-30-Blitzer: Hier führen Berlin und Darmstadt mit je 6 festen 30er-Anlagen, dahinter folgen mit Freiburg, Konstanz und Mainz (je 5) auffällig viele süddeutsche Mittel- und Universitätsstädte – sie sind es, die ihre 30er-Zonen bereits in Beton gießen. Der Kontrast zur mobilen Welt ist frappierend: In Berlin sind nur 6 der insgesamt 62 Tempo-30-Messpunkte fest installiert – die Hauptstadt kontrolliert ihre 30er-Strecken zu über 90 Prozent mit mobilen Geräten und Anhängern. Wer sich dort auf bekannte Blitzer-Standorte verlässt, unterschätzt die Kontrolldichte systematisch.
Auf den Autobahnen ist die feste Anlage die Ausnahme – nur 80 der 789 Autobahn-Messstellen sind fest verbaut. Diese konzentrieren sich auf wenige Achsen: Die A7 führt mit 10 festen Blitzern vor der A4 und der A2 (je 8). Bemerkenswert: Die verkehrsreichen A1 und A3 setzen fast vollständig auf mobile Überwachung. Die Top 10 der festen Anlagen:
Auch regional ist die Überwachungsdichte höchst ungleich verteilt: Bei den festen innerörtlichen Anlagen führt Baden-Württemberg mit 107 Säulen klar vor Nordrhein-Westfalen (87) und Hessen (58) – der Südwesten ist das Land der fest verbauten Überwachung. Dahinter folgt Sachsen mit 48 Anlagen, das damit bei nur vier Millionen Einwohnern mehr als doppelt so viele feste Stadt-Blitzer betreibt wie das bevölkerungsreiche Bayern (21): Der Freistaat setzt traditionell auf mobile Kontrollen. Am unteren Ende der Skala stehen das Saarland (3) und Bremen (1).
Die Bundesstraßen sind neben den Ortsdurchfahrten die zweite Heimat der festen Anlage: 413 der 809 Bundesstraßen-Messstellen sind fest verbaut. Das Ranking führt die B3 mit 18 festen Blitzern an, vor der B27 (17) und der B96 (15). Und ein Fund für die Lokalpresse: Drei Stadtstraßen in Deutschland werden gleich doppelt fest überwacht – die Heinrichstraße in Darmstadt, die Hauptstätter Straße in Stuttgart und der Südring in Düsseldorf. Wer dort die erste Anlage passiert hat, sollte das Tempo besser halten.
Datenbasis: Ausgewertet wurde der redaktionell gepflegte Messstellen-Bestand von jusora.de mit 2.706 Blitzern (Stand: Juli 2026), kategorisiert nach Streckenart (innerorts, Autobahn, Bundes-, Landstraße) und Bauart: fest installierte Anlagen (im Bestand als „Stationärer“ bzw. „Fester Blitzer“ inkl. stationärer Lasermessung geführt, zusammen 973), mobile Blitzer (1.236), Blitzeranhänger/Enforcement-Trailer (494) und teilstationäre Systeme (3). Die Rankings dieses Reports beziehen sich, sofern nicht anders angegeben, auf die 973 fest installierten Anlagen.
Erhebung: Die Messstellen werden fortlaufend aus behördlichen Angaben, Verzeichnissen und redaktioneller Recherche zusammengetragen, den zuständigen Bußgeldstellen zugeordnet und in unserem Blitzer-Verzeichnis veröffentlicht. Die Auswertung umfasst die bei jusora gelisteten Anlagen; ein Anspruch auf Vollständigkeit aller Messstellen in Deutschland besteht nicht.
Auswertung: Aggregation nach Bauart, Tempolimit, Stadt, Straße, Streckentyp und Bundesland (Zuordnung über die zuständige Bußgeldbehörde). Prozentwerte gerundet. Fachliche Prüfung: Redaktion jusora.de.
Für Redaktionen und Websites: Alle Zahlen, Rankings und Grafiken dieses Reports dürfen honorarfrei zitiert und übernommen werden – Voraussetzung ist die Quellenangabe „jusora.de Blitzer-Report 2026“ mit Link auf diese Seite. Für Rückfragen, Sonderauswertungen (z. B. zu einzelnen Städten oder Bundesländern) oder Interviews erreichen Sie die Redaktion über das Team von jusora.
Gern erstellen wir Lokalredaktionen auf Anfrage die Detailzahlen zu ihrer Stadt – von der Zahl der Tempo-30-Anlagen bis zur meistüberwachten Straße vor Ort.
Alle bei jusora erfassten innerörtlichen Messstellen – nach Städten sortiert, mit Tempolimit und zuständiger Behörde.
Blitzer auf AutobahnenVon der A1 bis zur A99: feste Messstellen mit Kilometerangabe und Streckenabschnitt.
Tempo 30 in StädtenWarum die 30er-Zonen wachsen, was rechtlich gilt – und wo bereits geblitzt wird.
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Hinweis: Der Report basiert auf dem bei jusora gelisteten Messstellen-Bestand und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit aller Anlagen in Deutschland. Stand der Auswertung: Juli 2026 – der Report wird jährlich mit aktualisierten Zahlen fortgeschrieben.
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