Kaum ein Messgerät hat die deutsche Blitzer-Rechtsprechung so beschäftigt wie der TraffiStar S350 von Jenoptik: 2019 erklärte der Verfassungsgerichtshof des Saarlandes seine Messungen für unverwertbar, weil das Gerät keine Rohmessdaten für den Einzelfall speichert – ein Paukenschlag, der bundesweit Einspruchsverfahren geprägt hat. Außerhalb des Saarlandes wird weiter mit dem Gerät gemessen, doch das Rohmessdaten-Argument ist geblieben.
In unserer Datenbank an 181 Messstellen erfasst (13 Bundesländer): 4 Autobahn · 87 Bundesstraße · 1 Landstraße · 89 innerorts.
Vom gemessenen Wert wird ein Toleranzabzug vorgenommen: 3 km/h bis Tempo 100, darüber 3 Prozent.
Bußgeldbescheide nach einer Messung sind anfechtbar – Messfehler, Eich- oder Formfehler führen regelmäßig zur Einstellung des Verfahrens.
So misst der TraffiStar S350
Der S350 ist ein Laser-Tracking-System: Zwei Laserscanner erfassen jedes Fahrzeug beim Durchfahren des Messfelds hundertfach, verfolgen seine Position über die Messstrecke und errechnen daraus die Geschwindigkeit. Das Gerät überwacht mehrere Spuren und beide Fahrtrichtungen gleichzeitig und arbeitet in stationären Anlagen ebenso wie semi-stationär.
Der entscheidende Punkt: Aus den vielen Einzelmessungen bildet die Software einen einzigen Messwert – die zugrunde liegenden Rohmessdaten werden anschließend nicht für den Einzelfall gespeichert. Genau daran entzündete sich der Streit, der das Gerät berühmt gemacht hat: Ohne Rohdaten lässt sich die einzelne Messung nachträglich nicht vollständig überprüfen.
Bekannte Schwachstellen & Ansatzpunkte für den Einspruch
Fehlende Rohmessdaten
Der VerfGH des Saarlandes erklärte S350-Messungen 2019 für unverwertbar, weil sich der Messwert ohne gespeicherte Rohdaten nicht einzelfallbezogen überprüfen lässt. Bindend ist das nur im Saarland – als Verteidigungsargument spielt es aber bundesweit eine Rolle.
Zuordnung bei dichtem Verkehr
Fahren mehrere Fahrzeuge eng gestaffelt durchs Messfeld, muss die Messung zweifelsfrei dem richtigen Fahrzeug zugeordnet sein. Das Beweisfoto und die Falldaten geben darüber Aufschluss – ein klassischer Prüfpunkt der Akteneinsicht.
Eichung & Bedienung
Wie jedes Messgerät braucht der TraffiStar S350 eine gültige Eichung, geschultes Personal und den Betrieb exakt nach Bedienungsanleitung (Aufstellung, Winkel, Selbsttest). Fehlt eines davon, wackelt die Messung – nachlesbar in Eichschein und Messprotokoll.
Das Beweisfoto
Unscharfe Aufnahmen, verdeckte Gesichter oder Zweifel an der Fahreridentität sind eigenständige Verteidigungslinien – unabhängig von der Messtechnik. Wie Sie das Foto prüfen und anfechten, zeigt unser Ratgeber Blitzerfoto anfechten.
Wichtig zur Einordnung: Die Gerichte stufen den TraffiStar S350 als standardisiertes Messverfahren ein – die Messung gilt als korrekt, solange keine konkreten Anhaltspunkte für Fehler vorliegen. Genau diese Anhaltspunkte findet man nicht durch Rätselraten, sondern durch die Akteneinsicht: Eichschein, Messprotokoll, Schulungsnachweise, Falldaten. Eine kostenlose Ersteinschätzung, ob sich das in Ihrem Fall lohnt, liefert der Blitzer-Check.
Optional: Behördenschreiben hochladen oder fotografieren.
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An diesen Standorten ist der TraffiStar S350 im Einsatz
181 Messstellen mit diesem Gerät sind in unserer Datenbank erfasst – hier gruppiert nach Straßentyp (je Bereich eine Auswahl, alle weiteren über die Blitzer-Übersicht). Jede Detailseite zeigt Tempolimit, Fahrtrichtung, Bußgeld-Tabellen und die zuständige Bußgeldstelle:
Alle Angaben ohne Gewähr. Messgeräte werden von den Behörden gewechselt und Standorte auf- oder abgebaut – maßgeblich ist der Zustand vor Ort bzw. die Angabe in Ihrem Anhörungsschreiben.
Häufige Fragen zum TraffiStar S350
Wie funktioniert der TraffiStar S350?
Der TraffiStar S350 von Jenoptik Robot (Monheim) arbeitet als Laser-Tracking. Das Gerät verfolgt Fahrzeuge per Laser über eine Messstrecke (Tracking) und berechnet die Geschwindigkeit aus vielen Einzelmessungen. Bei Überschreitung des Grenzwerts wird das Beweisfoto ausgelöst.
An wie vielen Standorten ist der TraffiStar S350 im Einsatz?
In unserer Blitzer-Datenbank ist der TraffiStar S350 aktuell an 181 Messstellen erfasst – verteilt auf 13 Bundesländer: 4 auf Autobahnen, 87 an Bundesstraßen, 1 an Landstraßen und 89 innerorts.
Welche Messfehler sind beim TraffiStar S350 bekannt?
Der TraffiStar S350 wurde bundesweit bekannt, weil er keine Rohmessdaten für den Einzelfall speichert. Der Verfassungsgerichtshof des Saarlandes hat Messungen des Geräts deshalb 2019 für das Saarland für unverwertbar erklärt. Außerhalb des Saarlandes bleiben die Messungen grundsätzlich verwertbar – das Rohmessdaten-Argument, Zuordnungsfehler bei mehreren Fahrzeugen und Aufstell- oder Eichfehler sind aber weiterhin zentrale Ansatzpunkte der Verteidigung.
Lohnt sich ein Einspruch nach einer Messung mit dem TraffiStar S350?
Das hängt vom Einzelfall ab – pauschal fehlerhaft ist das Gerät nicht. Ob die Messung angreifbar ist, zeigt sich erst in der Akte: Eichschein, Messprotokoll, Schulungsnachweise und das Beweisfoto samt Auswerterahmen. Genau diese Unterlagen wertet ein Fachanwalt über die Akteneinsicht aus – bei drohenden Punkten oder Fahrverbot lohnt die kostenlose Ersteinschätzung praktisch immer. Wichtig: Der Einspruch muss innerhalb von 14 Tagen nach Zustellung des Bußgeldbescheids eingelegt werden.
Yves JunkerFachanwalt Verkehrsrecht
Mobile und stationäre Blitzer sind anfällig für Messfehler und speichern häufig keine Messdaten.
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