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Arbeitszeitgesetz-Reform 2026 ᐅ Was wirklich gilt – und was nur geplant ist

Arbeitszeitgesetz-Reform 2026 ᐅ Was wirklich gilt – und was nur geplant ist
Arbeitszeit Überstunden

Referentenentwurf, Koalitionsstreit, 12-Stunden-Tage: Der Ratgeber ordnet ein, was von der geplanten Arbeitszeitgesetz-Reform bereits beschlossen ist – und was nicht. Mit Überstunden-Rechner, Vergleichstabelle Heute vs. Entwurf und den Rechten.

Arbeitszeitgesetz-Reform 2026: Was wirklich gilt und was nur geplant ist

Kaum ein Reformvorhaben sorgt gerade für so viel Verunsicherung wie die angekündigte Änderung des Arbeitszeitgesetzes. Die Schlagzeilen reichen von „13-Stunden-Tage kommen“ bis „Acht-Stunden-Tag wird abgeschafft“ – und verunsichern damit viele Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen. Die nüchterne Wahrheit vorweg: Nichts davon ist bislang Gesetz. Der Koalitionsausschuss von CDU/CSU und SPD hat am 1. und 2. Juli 2026 ein umfangreiches Reformpaket mit 34 Maßnahmen beschlossen – die Arbeitszeitgesetz-Reform kommt darin nicht vor. Zur Wochenarbeitszeit und zur gesetzlichen Zeiterfassungspflicht gibt es weiterhin keine Einigung.

Gleichzeitig liegt bereits ein Referentenentwurf des Bundesarbeitsministeriums (BMAS) vor, der die Richtung zeigt, in die es gehen könnte – allerdings mit einer wichtigen Einschränkung, die in vielen Berichten untergeht: Die Wochenarbeitszeit soll laut diesem Entwurf nicht automatisch für alle gelten, sondern nur dort, wo Tarifverträge oder darauf gestützte Betriebsvereinbarungen sie ausdrücklich vorsehen. Dieser Ratgeber ordnet ein, was heute gilt, was der Entwurf vorschlägt – und was Beschäftigte schon jetzt einfordern können.

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Zu viele Überstunden, keine Bezahlung?

Auch ohne die geplante Reform gilt schon heute: Ihr Arbeitgeber muss Ihre Arbeitszeit erfassen. Lassen Sie Ihren Fall von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht kostenlos einschätzen.

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Auf einen Blick: Die wichtigsten Zahlen zum Arbeitszeitgesetz

8 Std.
tägliche Höchstarbeitszeit – gilt heute unverändert
11 Std.
gesetzliche Ruhezeit zwischen zwei Arbeitseinsätzen
30.000
mögliches Bußgeld je Arbeitgeber bei Verstößen
2022
BAG-Beschluss: Zeiterfassung ist bereits Pflicht

Heute vs. Entwurf: Was sich ändern soll – im Vergleich

Wichtig für die Einordnung: Die mit „Entwurf“ markierten Werte beschreiben einen Vorschlag, kein geltendes Recht. Solange das parlamentarische Verfahren nicht abgeschlossen ist, gilt ausschließlich die Zeile „Heute“.

Höchstarbeitszeit
Heute 8 Std./Tag, Ausnahme 10 Std. (§ 3 ArbZG)
Entwurf Wochenbezug – nur per Tarifvertrag
Mögliche Tagesarbeitszeit
Heute Maximal 10 Stunden
Entwurf Bis zu 12 Stunden bei Wochenausgleich
Ruhezeit zwischen Arbeitstagen
Heute 11 Stunden am Stück (§ 5 ArbZG)
Entwurf Umstritten – EU-Recht schreibt 11 Std. vor
Pflicht zur Zeiterfassung
Heute Besteht laut EuGH/BAG, ohne eigenes Gesetz
Entwurf Gesetzliche Regelung geplant (Form, Fristen)
Geltungsbereich
Heute Einheitlich für alle Arbeitsverhältnisse
Entwurf Zunächst nur tarifgebundene Betriebe

Quelle: BMAS-Referentenentwurf (Stand Juni 2026), Bird & Bird und Luther Rechtsanwaltsgesellschaft zur Einordnung des Koalitionsausschusses vom 1./2. Juli 2026 – Details siehe Quellenverzeichnis am Ende des Artikels.

Die drei Baustellen der Reform im Detail

Drei Streitpunkte entscheiden darüber, ob und wie die Reform am Ende aussieht:

1
Wochenarbeitszeit statt Tageslimit Der Entwurf sieht vor, dass Tage mit bis zu 12 Stunden möglich werden – aber nur, wenn ein Tarifvertrag oder eine tarifgestützte Betriebsvereinbarung dies zulässt. Ohne eine solche Grundlage bleibt es bei der heutigen Tagesgrenze von 10 Stunden. Für nicht tarifgebundene Arbeitsverhältnisse ändert sich damit zunächst wenig.
2
Die Ruhezeit-Frage Kritiker befürchten, dass mit längeren Arbeitstagen auch die elfstündige Ruhezeit unter Druck gerät. Die EU-Arbeitszeitrichtlinie schreibt diese Ruhezeit grundsätzlich zwingend vor – ein rein nationaler Alleingang wäre hier europarechtlich nicht ohne Weiteres möglich. Dieser Punkt gilt in den Verhandlungen als besonders sensibel.
3
Zeiterfassungspflicht Sie soll gesetzlich klar geregelt werden – mit Vorgaben zu elektronischer Erfassung, Aufbewahrungsfristen und Ausnahmen für Kleinstbetriebe. Das Prinzip gilt aber schon heute (siehe unten): Was fehlt, ist allein die konkrete gesetzliche Ausgestaltung, nicht die Pflicht selbst.

Überstunden-Rechner: Was schuldet Ihnen Ihr Arbeitgeber schon heute?

Unabhängig davon, wie die Reform am Ende ausfällt: Überstunden über die vertragliche Arbeitszeit hinaus müssen grundsätzlich vergütet oder durch Freizeit ausgeglichen werden. Tragen Sie Ihre Werte ein – der Rechner zeigt den ungefähren Gegenwert Ihrer Mehrarbeit.

Ihre Arbeitszeit im Check

47 Std./Wo.
Überstunden pro Monat
30,3 Std.
Gegenwert pro Monat
663 €
Gegenwert pro Jahr
7.956 €

Vereinfachte Berechnung (Monatsfaktor 4,33 Wochen) ohne Zuschläge, ohne Berücksichtigung individueller Ausgleichsklauseln – dient der ersten Orientierung, ersetzt keine Lohnabrechnung. Zur Frage, ob und wie schnell Ansprüche verjähren, lesen Sie den Abschnitt zu Fristen weiter unten.

Zeiterfassung ist längst Pflicht: Das Urteil, das viele nicht kennen

Ein Missverständnis hält sich hartnäckig: Viele glauben, die Zeiterfassungspflicht käme erst mit der Reform. Tatsächlich besteht sie schon heute – hergeleitet aus dem Arbeitsschutzrecht (§ 3 Abs. 2 Nr. 1 ArbSchG). Der Europäische Gerichtshof entschied bereits 2019 (Urteil vom 14.05.2019, C-55/18 – „CCOO“), dass alle EU-Mitgliedstaaten ein objektives, verlässliches und zugängliches System zur Arbeitszeiterfassung gesetzlich vorschreiben müssen. Das Bundesarbeitsgericht leitete daraus 2022 ab (Beschluss vom 13.09.2022, 1 ABR 22/21), dass diese Pflicht in Deutschland schon nach geltendem Recht besteht – ganz ohne das noch ausstehende eigene Gesetz.

Für Beschäftigte ist das eine gute Nachricht: Sie müssen sich nicht auf eine ungewisse Reform verlassen, um dokumentierte Arbeitszeiten einzufordern. Auch Vertrauensarbeitszeit bleibt zulässig – aber auch dort muss erkennbar bleiben, dass Arbeits- und Ruhezeiten eingehalten werden. Verantwortlich für die korrekte Dokumentation bleibt in jedem Fall der Arbeitgeber, selbst wenn die Erfassung selbst an Mitarbeitende delegiert wird.

Der politische Streit: Zwischen Flexibilisierung und Gesundheitsschutz

Die Fronten in der Debatte sind seit Monaten verhärtet. Befürworter einer Reform – insbesondere aus der Unionsfraktion – halten das bisherige Tagesmodell für überholt, gerade mit Blick auf mobiles Arbeiten und Homeoffice, und drängen auf eine rasche Umsetzung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Wochenarbeitszeit. Aus der SPD kommt dagegen die Betonung, eine Abschaffung des Acht-Stunden-Tags sei nicht geplant; die Reform solle stattdessen Beruf und Familie besser vereinbar machen und ausdrücklich mit einer verpflichtenden digitalen Zeiterfassung verbunden werden, damit unbezahlte Überstunden sichtbar und vermieden werden.

Kritik kommt vor allem aus Gewerkschaften und von Ärzteverbänden: Der Marburger Bund warnt vor Gesundheitsrisiken und einer Gefährdung der Patientensicherheit durch längere Schichten, insbesondere in Kliniken, in denen bereits heute regelmäßig Überstunden anfallen. Ob und in welcher Form sich die Koalition am Ende einigt, ist nach dem Ausbleiben einer Regelung im Reformpaket vom Juli 2026 offener denn je – wir aktualisieren diesen Beitrag, sobald ein offizieller Gesetzentwurf vorliegt.

Zu lange gearbeitet? Diese Schritte sollten Sie kennen

Unabhängig vom Ausgang der Reform gilt: Wer regelmäßig deutlich mehr arbeitet als vertraglich vereinbart, sollte nicht abwarten, bis sich die Gesetzeslage ändert.

Vier Schritte bei anhaltender Mehrarbeit

1
Arbeitszeit selbst dokumentieren Solange keine verlässliche betriebliche Erfassung existiert, sollten Sie Beginn, Ende und Pausen eigenständig festhalten – das ist im Streitfall Ihr wichtigster Beleg.
2
Arbeitsvertrag auf Ausgleichsklauseln prüfen Viele Verträge enthalten Klauseln, wonach eine bestimmte Anzahl Überstunden mit dem Gehalt abgegolten ist. Solche Klauseln sind nur wirksam, wenn sie hinreichend transparent formuliert sind – das ist oft nicht der Fall.
3
Betriebsrat einschalten, falls vorhanden Der Betriebsrat hat bei der Ausgestaltung von Arbeitszeit und Zeiterfassung ein Mitbestimmungsrecht und kann oft schneller vermitteln als ein Gerichtsverfahren.
4
Fristen im Blick behalten Ansprüche auf Überstundenvergütung verjähren nach der regulären Frist von drei Jahren zum Jahresende (§ 195 BGB) – viele Arbeits- und Tarifverträge enthalten jedoch deutlich kürzere Ausschlussfristen, oft nur drei Monate. Wer zu lange wartet, verliert den Anspruch unabhängig von der gesetzlichen Verjährung.

Weiterführende Themen aus dem Arbeitsrecht

FAQ: Häufige Fragen zur Arbeitszeitgesetz-Reform

Quellen

Rechtlicher Hinweis: Dieser Beitrag bietet eine fundierte rechtliche Orientierung zum aktuellen Stand eines noch nicht abgeschlossenen Gesetzgebungsverfahrens und ersetzt keine individuelle anwaltliche Prüfung des Sachverhalts. Die Rechner-Ergebnisse sind vereinfachte Näherungswerte ohne Gewähr. Da sich der Verhandlungsstand kurzfristig ändern kann, aktualisieren wir diesen Artikel bei neuen Entwicklungen.




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Oliver Godolt

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Oliver Godolt ist Mitgründer und Autor bei JUSORA®. Mit langjähriger Erfahrung im Performance Marketing und in Legal-Tech-Projekten macht er juristische Inhalte online sichtbar und für Nutzer leicht zugänglich.

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